Wumms! Seine Faust trifft Sie. Fester und immer fester. Manchmal schlägt er sogar die Kinder. Wenn er nur tobt, droht und schreit, ist es ein besserer Tag. Sie haben Angst vor ihm. Angst vor Ihrem eigenen Mann. Neulich musterte Sie die Nachbarin. Sie wüsste, wohin sich Frauen wenden könnten, um Hilfe bei Gewalt in der Familie zu erhalten. Am liebsten hätten Sie nach der Adresse gefragt. Aus Angst, alles nur noch schlimmer zu machen, aus Angst, dass er Ihnen die Kinder wegnehmen könnte, taten Sie es nicht. Sie sitzen in der Falle.
Sie schämen sich: für ihn und sich selbst. Sie reden sich ein, dass er es nicht so meint, dass wieder alles besser werden wird. Sie rücken die dunkle Sonnenbrille zurecht, hinter der Sie das blaue Auge an diesem trüben Tag verstecken. Als die Haustür hinter Ihnen zufällt, flackert ein Gefühl von Freiheit auf. Ihr Zuhause ist längst zu Ihrem Gefängnis geworden.
Seit Monaten lesen Sie wie ich auf Supermarktbelegen: „Häusliche Gewalt? Wir bieten Hilfe.“ Das stimmt Sie nachdenklich. Ebenso die Tatsache, dass seine Gewaltausbrüche immer heftiger werden und dass von immer mehr Frauenmorden in Österreich die Rede ist. Ihre innere Stimme warnt Sie, etwas zu unternehmen. Sie sollten Hilfe annehmen, wenn Sie nicht als Zahl Eingang finden wollen in die Statistik für Femizide. Bitte unternehmen Sie etwas, bevor es zu spät ist.

Ich bin Barbara Schwarzl, die schreibende Apothekerin. Ich schreibe Reisebücher und psychologische Romane. Mein letzter Roman Nicht ohne meine Schatulle handelt von Kindesmissbrauch, Kindesmisshandlung und Gewalt in der Familie. Die beiden Hauptfiguren bekamen als Kinder keine Hilfe, obwohl der Stiefvater im Dorf als Tyrann und Trunkenbold bekannt war. Die physischen, psychischen und sexuellen Gewaltexzesse ihres Stiefvaters traumatisierten sie. Auf immer und ewig, bis ins hohe Alter. Sie aber haben Ihr Schicksal in der Hand. Werden Sie aktiv und unternehmen Sie etwas. Gewalt welcher Art auch immer kann bei den Opfern lebenslangen Schaden anrichten. Betroffenen bereitet es Schwierigkeiten, das Erlebte zu verarbeiten oder es in Worte zu fassen. Gewalt ist nie tolerierbar.
In diesem Blogartikel habe ich Telefonhotlines und Webadressen zusammengestellt, damit Frauen und Kinder bei Gewalt in der Familie Hilfe bekommen. Es gab schon zu viele Frauenmorde. Sie dürfen nicht der nächste sein!

Selbst ein Gewaltopfer?

Ich bin dankbar, selbst keine Gewalterfahrung zu haben. Ich lebe in einer harmonischen und wertschätzenden Beziehung. Als Frau und Autorin fühle ich natürlich mit Gewaltopfern. Als Apothekerin bin ich in meinen Beratungsgesprächen täglich mit psychischen Problemen konfrontiert. Und ich habe ein Herz für Personen am Rande der Gesellschaft. Oft frage ich mich, was passiert sein mag, dass sie ausgerechnet dort, am äußersten Rand, gelandet sind.
Es erschüttert mich, dass laut Medienberichten die Gewalt innerhalb der eigenen vier Wände zunehmen soll. Gleichzeitig bestätigt es mich darin – wie auch die ersten Rezensionen von Nicht ohne meine Schatulle –, dass es wichtig ist, Menschen für dieses Thema zu sensibilisieren. Damit wir als Unbeteiligte aufmerksamer sind, um rechtzeitig einschreiten und helfen zu können. Couragiert das richtige Wort zum richtigen Zeitpunkt aussprechen und nicht wegschauen. Dazu ruft auch das Österreichische Bundesministerium für Soziales unter #sagwas auf seiner Homepage und in Werbespots auf.

Der brodelnde Vulkan

Dass unsere Gesellschaft während der Pandemie aggressiver geworden ist, bemerken Sie auf der Straße, im Supermarkt und einige von uns leider auch zuhause. Frustrationen, Existenzsorgen, Unzufriedenheit, Ärger über Verordnungen und bestimmte Bevölkerungsgruppen, Ärger über mangelnde Planbarkeit, Groll über dieses und jenes und jetzt leider auch Ärger und Sorge wegen eines furchtbaren Krieges vor unserer Haustüre setzen zunehmend die Hemmschwellen herab. Ein barsches Wort, eine Beleidigung da, ein Faustschlag dort. Der Vulkan brodelt. Mal spuckt er ein paar Lavastückchen, mal ergießt sich ein mächtiger Lavastrom.
Von einem Riss durch die Gesellschaft, manchmal auch durch Familien, ist die Rede. Im Lockdown klebten viele unfreiwillig regelrecht aufeinander. Dazu kamen Homeoffice und Homeschooling. Dass unter solchen Umständen Nerven reißen können, verwundert nicht. Aber für Gewalt gibt es nie eine Entschuldigung.
Viel zu viele Männer lassen ihren Groll zuhause aus und ihre Fäuste sprechen. Frauen und Kinder bekommen ihre Aggressionen an ihren eigenen Leibern schmerzhaft zu spüren. Der Herr des Hauses und nur er bestimmt und entscheidet. Wer nicht kuscht, ist selbst schuld. Bereits jede fünfte Frau soll ab ihrem 15. Lebensjahr körperlicher und/oder sexueller Gewalt ausgesetzt sein (Quelle: Erhebung der Europäischen Union, 2014). Jede 3. Frau musste seit ihrem 15. Lebensjahr in irgendeiner Form sexuelle Belästigung erfahren.
Mehr Zahlenmaterial auf der Seite der Autonomen Österreichischen Frauenhäuser.

Liebe Männer, lasst Euch gesagt sein: Frauen sind kein Freiwild. Sie sind nicht Euer Eigentum. Dasselbe gilt für Eure Kinder.

Der Feind Zuhause

Meist ist der größte Feind Zuhause, genau dort, wo man sich am sichersten fühlen sollte. Und meist sind Frauen und Kinder aller Altersstufen und Schichten die Opfer. Die Täter oft die Lebenspartner, Ehemänner, Freunde, Väter, Stiefväter, Großväter und Onkeln.

Hilfe für Frauen in Not

  1. Fühlen Sie sich bedroht? Dann wenden Sie sich bitte an ein Frauenhaus in Ihrer Nähe.

  2. Die Gewaltschutzzentren informieren, beraten, begleiten Sie zur Polizei, zum Gericht und anderen Behörden, helfen Ihnen bei der Durchsetzung Ihrer Rechte und bieten eine Prozessbegleitung für Sie und Ihre Kinder.

  3. Sie können sich in Beratungsstellen kostenlos beraten lassen, denn Wissen um Ihre Rechte ist Ihre Macht.

  4. Die Frauenhelpline ist rund um die Uhr für Sie da. Wenn Sie bedroht werden, rufen Sie innerhalb von Österreich 0800/ 222 555.

  5. Im Helpchat können Sie sich täglich von 18.00 bis 22.00 Uhr beraten lassen und sich mit anderen Frauen austauschen.

  6. Wenn sich die Lage bedrohlich zuspitzt, wählen Sie bitte den Polizeinotruf 133 oder 112. Die Polizei können Sie innerhalb von Österreich auch per SMS unter 0800/ 133 133 erreichen.

  7. Sie können auch einen stillen Notruf an die Polizei schicken. Dafür brauchen Sie sich nur rechtzeitig den App DEC112-den Notruf für Gehörlose auf Ihrem Smartphone installieren. Mehr Informationen auf der Homepage der Österreichischen Polizei.

Im Namen der Ehre

In manchen Kulturkreisen scheint es normal zu sein, Frauen Gewalt anzutun. Hier setzt ein neues Projekt der Caritas Graz mit einem Buddy-Projekt an. Einheimische Frauen vernetzen sich nach einer Einschulung mit Migrantinnen mit dem Fokus auf Gewaltprävention. Vorsorgen ist bekanntlich immer besser als heilen. Wollen Sie Patin werden oder brauchen Sie selbst Hilfe? Hier geht`s zu Malala.

Er tut mir weh! Hilfe für Kinder in Not

Hast Du zuhause Angst? Kannst Du in der Nacht nicht schlafen? Fürchtest Du Dich vor dem Geschrei, dem Türenknallen? Droht er Dir damit, dass Du niemanden etwas sagen darfst? Hat er wieder fest zugeschlagen? Kannst Du Dich niemandem anvertrauen? Ja, Du hast Recht, das ist alles nicht in Ordnung. Gewalt ist nie tolerierbar, auch nicht Kindern und Jugendlichen gegenüber. Auf der Seite von Gewalt ist nicht OK bekommst Du rund um die Uhr Hilfe. Dort findest Du Links, die Dir weiterhelfen, und Geschichten von Kindern, denen es vielleicht ähnlich wie Dir ergeht. Suche Dir Hilfe, wenn Du in Not bist.

Vergessen wir nicht die Täter. Auch Männer brauchen Hilfe.

Nein, Sie sind kein Weichei, wenn Sie Hilfe annehmen! Alleine schaffen Sie es vermutlich nicht, den Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen. Mit einer Therapie können Sie Ihre Aggressionen besser beherrschen. Es ist keine Lösung, die Fäuste sprechen zu lassen. Wenden Sie sich bitte an die Männerinfo. Die Hotline erreichen Sie rund um die Uhr unter 0800/ 400 777.
Seit September 2021 müssen sich Personen, gegen die ein Betretungs- und Annäherungsverbot ausgesprochen wurde, einer sechsstündigen Beratung unterziehen. Innerhalb von fünf Tagen nach der Wegweisung muss ein Termin vereinbart werden. Das Erstgespräch muss innerhalb von 14 Tagen stattfinden. Sonst werden hohe Geldstrafen verhängt.
Es geht hier nicht um Schikane, sondern um Deeskalation und um einen Plan B, also wie es nach dem Betretungsverbot weitergehen soll. Weitere Informationen finden Sie auf der Website von Neustart. Nützen Sie das Angebot, Ihrer Familie zuliebe.

Hinschauen, handeln, helfen, gemeinsam gegen Gewalt an Frauen und Kinder vorgehen!

Bemerken Sie, dass Frauen oder Kinder belästigt werden, dass ihnen Gewalt angetan wird? Sprechen Sie das Opfer an oder holen Sie Hilfe. Wählen Sie den Polizeinotruf (133 oder 112).
Mit Hinschauen und Handeln helfen wir. Wir müssen zusammenhalten! #sagwas

P.S.: Mehr von der schreibenden Apothekerin

Ich freue mich, wenn Sie weiter auf meinen Seiten schmökern. In meinen Büchern Spurensuche. Diagnose Schizophrenie, Dreierblues, Nicht ohne meine Schatulle thematisiere ich psychische Erkrankungen. In Reise quer durch Estland, Lettland und Litauen, Alles anders. Auf Umwegen angekommen, Dreierblues dreht es sich um – wie ich finde – die schönste Tätigkeit, nämlich das Reisen.
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