Früher konnte Sie nichts aus der Fassung bringen. Sie strahlten mit der Sonne um die Wette. Aber jetzt droht Sie eine dunkle Wolke zu erdrücken und versetzt Sie in eine Weltuntergangsstimmung. Sie fühlen sich deprimiert, traurig, weinerlich. Sie sind gereizt. Ihre Gedanken drehen sich im Kreis. Sie blicken sorgenvoll in die Zukunft. Psychische Probleme sollen das sein? So ein Blödsinn! Das haben die anderen, aber doch nicht Sie! Vielleicht sind nur die Nerven überstrapaziert, denn es war viel los in letzter Zeit. Reden sollen Sie? So ein Quatsch! Wie es in Ihnen aussieht, geht niemanden etwas an? Das ewige „Nimm es nicht so schwer“ können Sie nicht mehr ertragen? Ich will nicht mehr, ein Gedanke, der sich immer mehr festzusetzen droht. Plötzlich versetzt Sie Weihnachten und der nahende Jahreswechsel in einen psychischen Ausnahmezustand. Sie fühlen sich einsam. Liebe Menschen fehlen. Sie erinnern sich nostalgisch zurück an eine bessere Zeit, als alles noch gut, als alles noch im Lot war. Ihre Seele weint. Unaufhaltsam und heftig.
Dass immer mehr Seelen in Not sind, ist sicher ein schwacher Trost. Diese nicht enden wollende Pandemie bringt jede/jeden von uns an ihre/seine Grenzen. Gründe für seelische Probleme gibt es zuhauf: Sorgen um die Existenz, ums nackte Überleben; Partnerschaftsprobleme; Lockdowns, unüberschaubare Regeln, Reisebeschränkungen; das Reizthema Corona, das mittlerweile sogar Familien spaltet; Krankheits- oder gar Todesfälle in der Familie, Long-Covid; Überlastung in den systemrelevanten Berufen. Zu viel Belastung, zu viel Negatives, zu wenige Lichtblicke, zu wenig Positives, zu wenig Perspektive. Kein Wunder, dass psychische Erkrankungen rasant zunehmen. Die Pandemie führt uns schmerzhaft vor Augen, dass es jederzeit jede oder jeden von uns treffen kann. Psychische Erkrankungen bereiten Angst vor Ausgrenzung. Deswegen ist es so schwierig, sich psychische Probleme einzugestehen.

Ich bin Barbara Schwarzl, die schreibende Apothekerin. Ich schreibe Reisebücher und psychologische Romane. Darin widme ich mich vielfach psychischen Erkrankungen, um auf unterhaltsame Weise Vorurteile abzubauen. In diesem Blogartikel habe ich für Sie eine Liste mit Kontakten zusammengestellt. Am jeweiligen Krisentelefon bekommen Sie Hilfe, wenn Ihre Seele in Not ist.

Wann soll ich ärztliche Hilfe holen?

Dass Infektionen, Unfallverletzungen und viele Erkrankungen unser Leben bedrohen können, leuchtet uns ein. Bei psychischen Problemen verhält es sich ähnlich. Sie können sich akut, also rapide, verschlimmern und einen medizinischen Notfall auslösen. Wenn eine Person nicht ansprechbar ist, wenn sie sich ungewöhnlich verhält, „komisch“ oder wirr spricht, halluziniert, sich aggressiv verhält, selbst- oder fremdgefährdetes Verhalten ankündigt, von Gefühlen (wie Angst oder Trauer) überflutet wird oder einen Nervenzusammenbruch hat, dann kontaktieren Sie bitte einen Arzt.

Beispiele für akute psychiatrische Notfälle

Suizidversuch
Massive Aggressivität bzw. Gewalttätigkeit
Angst- oder Panikattacken
Paranoides Verhalten, Halluzinationen
Starke Erregung (z.B. bei Personen, die unter Manie, Schizophrenie, Psychose etc. leiden)
Vergiftungen mit Alkohol, Drogen, Medikamenten,
Delir

Wo bekomme ich Akut-Hilfe bei psychischen Problemen?

Reden hilft. Reden Sie sich Ihren Kummer von der Seele, damit Sie nicht zu einem psychiatrischen Notfall werden. Vertrauen Sie sich einer Vertrauensperson an. Ihre Familie und Ihre Freunde sollen nicht wissen, dass Sie komplett neben der Spur sind, völlig am Ende sind? Dann werden die hier vorgestellten Kontakte - von der Telefonseelsorge bis zu Kummernummer – hilfreich sein.
Die Personen am anderen Ende der Leitung haben keine Berührungsängste mit seelischen Problemen. Sie brauchen sich nicht für Ihren seelischen Ausnahmezustand zu schämen. Sie zeigen keine Schwäche, sondern sehr viel Stärke, wenn Sie um Hilfe bitten. Es gehört viel Mut und Kraft dazu, sich ein psychisches Problem einzugestehen. Auch wenn für Sie jetzt vieles dunkel und bedrohlich wirkt, möchte ich Ihnen Zuversicht geben. Eines Tages wird auch für Sie der Himmel nicht mehr pechrabenschwarz sondern wieder strahlend blau sein. Das wünsche ich Ihnen von Herzen.

Servicestellen, Krisentelefone für Seelen in Not:

  1. Die Telefonseelsorge Deutschland ist für Sie am Telefon unter 0800/ 1110111 oder unter 0800/ 1110222, online und auch an mehreren Orten anonym, vertraulich, kostenfrei und kurzfristig für Sie da.

  2. Die Nummer gegen Kummer ist ein Ansprechpartner für Kinder und Jugendliche (0800/ 116111) und für deren Eltern (0800/ 1110550) für kleine und große Sorgen, Probleme und Ängste.

  3. Auf Psychenet finden Sie eine Übersicht über das Angebot einer Soforthilfe und Wissenswertes zum Thema psychische Gesundheit.

  4. Über Instahelp können Sie ohne Wartezeit, sicher und anonym eine psychologische Beratung online per Video-, Audio- und Textchat bekommen.

  5. Die Telefonseelsorge Österreich ist unter der Notrufnummer 142 rund um die Uhr, gebührenfrei, sowie im Sofortchat oder per Mail erreichbar.

  6. Über die Psychosozialen Dienste Wien gibt es für Menschen in psychischen Krisen eine psychiatrische Soforthilfe. Der Not- und Krisendienst ist von 0 bis 24 Uhr für Wien unter 01/ 31330 erreichbar.

  7. Das Kriseninterventionszentrum ist für Sie telefonisch unter 01/ 4069595 oder per Mail für Sie in akuten Krisensituationen da. Das Beratungsangebot gilt für Personen ab 18 Jahren.

  8. Die HPE berät und informiert Angehörige von psychisch Erkrankten telefonisch, online oder in Gruppentreffen. Der Austausch von Erfahrungen kann ihre Lebensqualität verbessern. Eine psychische Erkrankung ist nicht nur für Betroffene eine besondere Herausforderung, sondern auch für deren Angehörige.

  9. Die ÖH-Helpline richtet sich an StudentInnen in Österreich. Die Bundesvertretung der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) bietet in Zusammenarbeit mit dem Verein für Psychotherapie dieses Projekt an, weil auch unter den Studierenden psychische Beschwerden ansteigen. Unter der Telefonnummer 0043/1/5853333, montags 15 – 18 Uhr, mittwochs 16 – 18 Uhr, donnerstags 16 – 18 Uhr. Zusätzlich wird eine psychologische Studienberatung angeboten.

  10. Das Öffentliche Gesundheitsportal Österreichs GV.AT informiert auf seiner Homepage über psychiatrische und psychosoziale Krisen: Definition, was getan werden kann, Notrufnummern und Hotlines auf einem Blick. Auch über andere Krankheiten und Gesundheitsleistungen können Sie dort Informationen finden.

  11. Die Ö3-Kummernummer ist den HörerInnen von Ö3 sicher bekannt. Sie ist schon lange eine Erstanlaufstelle für Menschen in persönlichen Notlagen, unter 116 123, weil Reden hilft.

  12. Auf der Website des Bündnis Depression können Sie schnell ein Serviceangebot für Ihr Bundesland in Österreich mit den entsprechenden Kontakten finden.

  13. Bitte Lebe richtet sich an Menschen mit Suizidgedanken und gibt auf seiner Website Tipps – auch in Videos. Die Informationen sind auch für Angehörige bzw. Freunde hilfreich.

  14. Der Berufsverband Österreichischer PsychologInnen BÖP bietet psychologische Hilfe über sein Krisentelefon (01/ 5048000) an.

  15. Pro Mente Österreich, der Österreichische Dachverband für Vereine und Gesellschaften für psychische und soziale Gesundheit, hat in allen Bundesländern ein breites Serviceangebot.

  16. In der Schweiz engagiert sich die Dargebotene Hand am Telefon unter 143, online oder im Chat für Sie unter dem Slogan „Manchmal möchte man mit jemandem reden“.

  17. Auf der Website von Pro Mente Sana finden Sie die wichtigsten Notfallnummern für die Schweiz.

  18. Die Angst- und Panikhilfe Schweiz APHS können Sie telefonisch gebührenpflichtig und per Mail kontaktieren.

Was kann ich sonst bei nervlichen Beschwerden tun?

Bei psychischen Beschwerden wenden Sie sich bitte an die Ärztin/ den Arzt Ihres Vertrauens. Eine Psychotherapie kann außerdem Medikamente unterstützen.
In meinem Blogartikel Lavendel & Co finden Sie Empfehlungen aus dem Reich der Nährstoffe und Pflanzen, die Sie ergänzend einnehmen können. Dazu besprechen Sie sich bitte mit der Apothekerin oder dem Apotheker Ihres Vertrauens. In einer psychischen Krise lassen Sie bitte die Finger vom Herumdoktern und begeben sich in ärztliche Betreuung.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie Ihren Weg aus der Krise finden, damit Ihre Seele nicht länger in Not ist. Alles Gute wünscht Ihnen
Barbara Schwarzl, die schreibende Apothekerin

P.S.: Mehr von der schreibenden Apothekerin

Ich freue mich, wenn Sie weiter auf meinen Seiten schmökern. In meinen Büchern Spurensuche. Diagnose Schizophrenie, Dreierblues, Nicht ohne meine Schatulle thematisiere ich psychische Erkrankungen. In Reise quer durch Estland, Lettland und Litauen, Alles anders. Auf Umwegen angekommen, Dreierblues dreht es sich um – wie ich finde – die schönste Tätigkeit, nämlich das Reisen.
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