Buch

Tina Bäck, eine intelligente und moderne Frau des 21. Jahrhunderts, begibt sich auf Spurensuche und begegnet mit 34 Jahren ihrem Vater zum ersten Mal. Er ist schizophren. Und schlimmer, er ist ihr erschreckend ähnlich. Tina will diese verteufelte Krankheit verstehen. Kein Fachbuch ist vor ihr sicher. Sogar als Universitätsprofessorin verschreibt sie sich dem Thema „Genie und Wahnsinn“. Plötzlich geschehen sonderbare Dinge, die sie sich nicht erklären kann.

Ein Buch, das unterhält und reichlich Informationen rund um die facettenreiche Krankheit Schizophrenie liefert.

Was veranlasste die Autorin ein Buch über Schizophrenie zu schreiben?

Als Apothekerin hat Barbara Schwarzl natürlich laufend mit psychisch Kranken und im Besonderen mit Schizophrenen Kontakt, deren Schicksale sie zutiefst bewegen. Mit “Spurensuche. Diagnose Schizophrenie” möchte sie psychisch Kranke, diese manchmal geächteten, bedauernswerten Menschen, ins Bewusstsein rufen und für sie als Fürsprecherin auftreten. Obwohl sich die medizinische Versorgung diesbezüglich in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert hat, sind psychisch Kranke nach wie vor stigmatisiert und ausgestoßen.
Angehörige schämen sich ihrer, man lacht und tuschelt über sie, sperrt sie weg, verwahrt oder verleugnet sie. Selbst ihren eigenen Angehörigen fällt es manchmal schwer, ihnen unvoreingenommen zu begegnen.
Die Autorin möchte mit “Spurensuche. Diagnose Schizophrenie” aufklären und aufrütteln, aber ebenso unterhalten. Gleichzeitig möchte sie Betroffenen, Angehörigen und Pflegepersonal helfen, die facettenreiche Krankheit Schizophrenie besser zu verstehen.

Als die Autorin sich mit dem Thema Schizophrenie zu befassen begann, fiel ihr auf, dass es entweder Fachbücher, die Laien aufgrund des fehlenden Hintergrundwissens oft nicht ausreichend verstehen können, Sachbücher oder Romane aus der Sicht von Betroffenen oder Angehörigen gab. Das war Anlass, ein Buch zu kreieren, das einen unterhaltsamen Roman mit Informationen eines Sachbuchs vereint. So lernt der Leser ganz nebenbei die Krankheit Schizophrenie kennen. Allerdings gibt es nicht DIE Schizophrenie, denn die Erkrankung zeigt sich bei jedem anders: mit oder ohne optische und akkustische Halluzinationen.

Barbara Schwarzl war es wichtig, aufzuzeigen, dass die Diagnose Schizophrenie nicht gleichzusetzen ist mit einer gewissen Gewaltbereitschaft. Wenn die breite Masse von Schizophrenen erfährt, geschieht dies leider meist im Rahmen von negativen Schlagzeilen, wie im Falle des Masssenmörders Anders Breivik in Norwegen. Stattdessen weist sie auf herausragende psychisch kranke Persönlichkeiten, wie z.B. John Forbes Nash und Virgnina Woolf hin. Tina Bäck, die Protagonistin, initiert als Universitätsprofessorin das Seminar “Genie und Wahnsinn” und konfrontiert ihre Studenten mit unorthodoxen Unterrichtsmethoden mit dem Thema.

Bereits zwei Mal (im November 2016 und 2018) durfte Barbara Schwarzl “Spurensuche. Diagnose Schizophrenie” auf dem renommierten DGPPN-Kongress in Berlin vorstellen und daraus lesen. Dabei zeigte sich, dass diese fiktive Geschichte mit in die Handlung eingewobenen Informationen rund um diese vielschichtige Krankheit genauso fesselte wie Autobiographisches von Betroffenen. Die Kombination von Roman und Sachbuch fand besonderen Anklang.

Zielgruppe von “Spurensuche. Diagnose Schizophrenie”?

All jene, die mehr erfahren möchten über den Verlauf einer Schizophrenie. Die immer schon wissen wollten, welche Symptome sich zeigen, wie die Krankheit diagnostiziert wird, welche familiären und beruflichen Probleme sich auftun, wie sie behandelt werden kann usw.

Was ist das Besondere an diesem Roman?

“Spurensuche. Diagnose Schizophrenie” ist ein Roman, der eine frei erfundene Geschichte zur Grundlage hat. Frei nach Erich Kästner wissen wir, dass fiktive Geschichten durchaus wahr sein können, wenn sie im Kern so geschehen sein könnten, wie sie beschrieben sind. Gleichzeitig wagte die Autorin den Spagat zum Sachbuch. Das heißt “Spurensuche. Diagnose Schizophrenie” ist Roman und Sachbuch in einem. Es unterhält, klärt auf und informiert. Deswegen kann es sehr hilfreich sein für Betroffene, Angehörige, Pflegepersonal und all jene, die sich über psychische Erkrankungen informieren möchten.

Barbara Schwarzl war es ein besonderes Anliegen, die Krankheit der Schizophrenie von jedem nur erdenklichen Winkel zu beleuchten. Informationen wurden fein dosiert in die Handlung eingearbeitet, sodass der Übergang vom Roman zum Sachbuch fließend ist.
Im Vordergrund steht die Geschichte von Tina Bäck und ihrem schizophrenen Vater.
Da die Protagonistin diese vielschichtige Krankheit verstehen will, liest sie viel darüber, weshalb der Leser reichlich Hintergrundinformationen über die Schizophrenie bekommt: Ursachen, Prognose, Symptome, Vererbung, Therapiemöglichkeiten, wie erlebt der Kranke und die Familie die Krankheit, kann er in den Arbeitsprozess integriert werden, was heißt es, die Tochter eines Schizophrenen zu sein, Rückblick auf die nationalsozialistische Lösung und veraltete Therapien, Nennung von psychisch kranken Persönlichkeiten, die Genies, die dem Wahnsinn nahe waren etc.
All diese Punkte sind in den Roman eingewoben, in diese berührende Geschichte.
Da die Protagonistin erst als Erwachsene erfährt, dass ihr Vater, die Familie nicht aus freien Stücken verlassen hat, sondern in Pflegeeinrichtungen abgeschoben wurde, hat die Autorin die Scham, einen psychisch Kranken in der Familie zu haben, ihn deswegen lieber abzuschieben und zu verleugnen und die erdrückende Sorge der Tochter, selbst zu erkranken besonders herausgearbeitet.

Bemerkenswert ist, dass der Leser den Ausbruch der Erkrankung selbst miterlebt, ohne vielleicht die ersten Symptome als solche richtig zu deuten.

Was bringt die Zukunft?

Barbara Schwarzl vernetzt sich zunehmend mit engagierten Angehörigengruppen und Personen, die wie sie gegen die Vorverurteilung psychisch Kranker ankämpfen. Gut möglich, dass sich dadurch künftig Buchpräsentationen und Lesungen ergeben können.
Auf facebook postet sie regelmäßig Interessantes zum Thema.
Wie unschwer zu erkennen ist, steckt im Buch “Spurensuche. Diagnose Schizophrenie” sehr viel Herzblut der Autorin.

Auszug aus dem Vorwort von “Spurensuche. Diagnose Schizophrenie”, das zum Nachdenken anregen soll:

…..Dabei sollten wir uns stets vor Augen halten, dass niemand von uns mit absoluter Gewissheit weiß, ob es ihn nicht selbst einmal in der einen oder anderen Form treffen könnte. Eine Depression oder ein Burn-out zu haben, scheint derzeit geradezu in zu sein, dennoch wird die Krankheit stigmatisiert. An einer Psychose gar, an der Schizophrenie im Speziellen oder an einer anderen psychischen Störung erkrankt zu sein, verursacht nach wie vor Entsetzen, Unbehagen und Angst.
Sehr gut auf den Punkt gebracht hat dies für mich ein Betroffener: „Schizophrenie ist eine Krankheit wie jede andere. Man stirbt geistig bei lebendigem Leibe.“ (Dies und noch viel mehr Berührendes können Sie nachlesen in „Texte aus der Innenwelt“, Felix Mitterer (Hg.), Czernin Verlag, Wien, 2001.)
In jüngerer Vergangenheit wurde in Wien versucht, das Image von psychisch Kranken mit einer Plakatserie mit folgenden Slogans zu verbessern:
„Eine seelische Erkrankung ist so normal wie Diabetes, ein Armbruch oder wie eine Grippe.“
„Eine psychische Erkrankung ist nicht ansteckend.“
Diese Kampagne gefiel mir und zeigt gleichzeitig, dass sich auf diesem Gebiet mittlerweile Einiges tut. Bis sich die Einstellung jedes einzelnen von uns ändert, ist jedoch noch ein langer, mühevoller Weg zu bestreiten.
Wenn es mir mit diesem Buch gelingt, einen kleinen Beitrag dazu zu leisten, so macht mich das glücklich, denn dann hätte ich ein für mich wichtiges Ziel erreicht.

Das Buch ist erhältlich auf Amazon, Thalia.

Rezensionen gibt es auf Buchaviso und Leseleidenschaft.

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